NGO-Forum: Blinde Flecken im Gesundheitssystem, Teil 4: Rassistische Diskriminierung

Beim NGO-Forum 2026 der Volksanwaltschaft berichteten Expertinnen und Experten über Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen, Frauen und Armutsbetroffenen sowie über rassistische Diskriminierung. Teil 4: „Rassismus passiert – offen, aber auch in unhinterfragten Routinen.“

Derzeit wird intensiv über eine Gesundheitsreform diskutiert. „Es ist wichtig, den Fokus auf jene Menschen zu setzen, die in solchen Diskussionen gerne vergessen werden: Benachteiligte Gruppen wie Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen und Frauen, sowie nicht zuletzt Menschen, die von Rassismus im Gesundheitssystem betroffen sind“, sagte Volksanwalt Bernhard Achitz, der das NGO-Forum am 27. Mai in den Räumen des Dachverbands der Sozialversicherungsträger moderierte: „Besonders betroffen sind Menschen, die zu mehreren dieser Gruppen gehören, denn Diskriminierung tritt nicht isoliert auf.“

Die Volksanwaltschaft organisiert jedes Jahr ein NGO-Forum zu einem konkreten Thema und gibt der Zivilgesellschaft die Möglichkeit, sich mit Behörden aus Bund und Ländern, mit Vertreterinnen und Vertretern der Sozialversicherung und natürlich mit Politikerinnen und Politikern auszutauschen. In den vergangenen Jahren war es etwa um die nach wie vor überfällige Verankerung Sozialer Grundrechte in der Verfassung gegangen, oder um Kinderrechte. Die Ergebnisse hat die Volksanwaltschaft in Tagungsbänden zusammengefasst und veröffentlicht: https://volksanwaltschaft.gv.at/berichte/ngo-forum-tagungsbaende/

Theresa Ekpa (ZARA): Rassismus passiert – offen, aber auch in unhinterfragten Routinen

Auf strukturellen Rassismus im Gesundheitsbereich machte Theresa Ekpa von ZARA (ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) aufmerksam. Sie verwies auf den Rassismusreport 2024: Wenn Rassismus krank macht (LINK). „Rassismus passiert – nicht nur aktiv und offen, sondern in Form von unbewussten Routinen, die zu wenig hinterfragt werden“, so Ekpa. 

Ein konkretes Beispiel aus der Beratungspraxis von ZARA: Eine Patientin hatte extreme Nierenschmerzen, aber der Hausarzt hat sie nicht ernst genommen. Sie würde übertreiben, wurde ihr vorgeworfen – wegen ihrer ethischen Zugehörigkeit. Später stellte sich heraus: Sie hatte einen Tumor in fortgeschrittenem Stadium, eine Niere musste entfernt werden. 

Man muss immer hinterfragen, so Ekpa, „Wem wird geglaubt? Wie zugängig sind Beschwerdemöglichkeiten? Wie viel Rassismus steckt grundsätzlich in der Medizin – in der Ausbildung, in der Gerätetechnik, …?“ Beispiel Dermatologie: Lehrbuch-Bilder zeigen fast immer weiße Haut – wie Hauterkrankungen auf dunkler Hut aussehen, wird nicht gelehrt. Beispiel Pulsoximeter: Die sind auf weiße Haut kalibriert, bei dunkler Haut geben sie erst später Alarm.

Unter dem Schlagwort „medical gaslighting“ versteht man, dass Schmerzen nicht ernst genommen werden, Beschwerden ignoriert, Untersuchungen nicht oder nur unzureichend durchgeführt werden, weil Vorurteile durchschlagen.  Beschwerdewege sind zwar formal vorhanden, aber sie sind wegen Sprachbarrieren, Unwissen oder Vertrauensmangel nur schwer zugänglich.

Man muss sich immer fragen: „Wie steckt Rassismus in Ausbildungen und Standards? Wissen ist nicht neutral und objektiv. Die Medizin braucht mehr rassismuskritische Kompetenz. Notwendig sind bessere Ausbildung, bessere Beschwerdezugänge und klare Standards in Einrichtungen, wie mit Fällen von Rassismus umgegangen wird. Und, so Ekpa: „Es bracht bessere Forschung und bessere Datenerfassung – denn alles was wir wissen, beruht derzeit auf Erfahrungen und Berichten.“


Übersetzung durch Künstliche Intelligenz

NGO-Forum 2026, Veranstaltungszentrum des Dachverbands der Sozialversicherungsträger