Volksanwältin Gaby Schwarz alarmiert: Jugendstrafvollzug ist besorgniserregend

Bei der Präsentation des Parlamentsberichts 2025 berichtet Volksanwältin Gaby Schwarz über die besorgniserregende Situation im Jugendstrafvollzug. Die Zahl inhaftierter Jugendlicher ist im Vorjahr um 46 Prozent gestiegen. Die neue Jugendhaftanstalt Münnichplatz ist bereits kurz nach Eröffnung zu 114 Prozent ausgelastet. Es gibt zu wenig Personal und Platz. Die Folge ist, dass Jugendliche oft mit Erwachsenen angehalten werden.

„Die Zahl der inhaftierten Jugendlichen ist im Berichtsjahr deutlich angestiegen. 2024 gab es 125 Jugendliche in Haft. Ende 2025 waren es 182. Das bedeutet einen Anstieg von rund 46 Prozent in nicht einmal einem Jahr. Aufgrund des Überbelags werden Jugendliche häufig gemeinsam mit Erwachsenen angehalten. Das ist eine dramatische Situation", betont Volksanwältin Gaby Schwarz. Im Parlamentsbericht 2025 sind erneut zahlreiche Fälle prekärer Haftbedingungen dokumentiert - u.a.:

  • Mitte März 2025 waren in der Justizanstalt St. Pölten 327 Insassen untergebracht. Wegen des hohen Belagsdrucks musste die Jugendabteilung geschlossen werden. Vier Jugendliche wurden auf andere Abteilungen gelegt, wo sie in Mehrpersonenhafträumen mit Erwachsenen untergebracht waren.
  • Im August 2025 waren in der Justizanstalt Wr. Neustadt fünf Jugendliche nicht in einer eigenen Abteilung untergebracht. Es gab auch keine Ergotherapie, Sozialpädagogik oder Kinder- und Jugendpsychiatrische Versorgung.

Jugendhaftanstalt Münnichplatz zu 114 Prozent ausgelastet

Nach Jahren der Verzögerungen beim Umbau wurde die neue Jugendhaftanstalt Wien-Münnichplatz im Jänner 2026 offiziell eröffnet. „Die Voraussetzungen waren nach vielen Hürden grundsätzlich gut. Doch mittlerweile ist der Münnichplatz bereits zu 114% ausgelastet. Belagsdruck und Personalmangel sind große Probleme. Die neue Anstalt sollte die gesamte Ostregion entlasten. Davon sind wir weit entfernt“, so Volksanwältin Gaby Schwarz.

  • Der Münnichplatz ist für 72 Plätze ausgelegt. Derzeit werden 82 Jugendliche dort angehalten (Stand 20.4.2026). Nun wurde die maximale Auslastung von der Generaldirektion sogar auf 90 Plätze angehoben. Aus dem Justizministerium heißt es: „Um optimale Bedingungen im Jugendvollzug zu gewährleisten, soll mit Anfang Mai die Belagsfähigkeit erweitert werden.“ Volksanwältin Gaby Schwarz übt scharfe Kritik: „Die Erweiterung in ein positives Licht zu rücken, kann wirklich nur ein schlechter Scherz sein! Ich sage es ganz deutlich: Das ist keinesfalls etwas Gutes. Mit der Anhebung der Belagsfähigkeit wird die Anstalt überfordert noch bevor sie richtig läuft.“
  • Der Überbelag wird zum Teil durch Stockbetten kompensiert. Die für Jugendliche empfohlene Ein- oder Zweipersonenbelegung ist dadurch nicht mehr möglich.
  • Weitere Folge ist, dass die vom Justizministerium vorgegebene Mindesthaftraumgröße pro Insasse nicht mehr eingehalten werden kann.
  • Für den Münnichplatz sind 60 Planstellen im Exekutivdienst geplant. Derzeit stehen nur 43 Personen zur Verfügung, davon 10 Dienstzuteilungen (teilweise ohne Vorkenntnisse über die Arbeit im Jugendstrafvollzug).

„Zu wenig Justizwachepersonal bedeutet wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und hohe Einschlusszeiten für die jugendlichen Insassen. Es gibt zwar neue Sport- und Bewegungsmöglichkeiten im Innenhof. Doch ohne ausreichenden Justizwachebeamten können sie nicht genützt werden. Diese Situation ist für das Personal und die Inhaftierten gleichermaßen untragbar. Wenn uns sowohl Bedienstete als auch Insassen beim Sprechtag sagen, dass dringend mehr Personal notwendig ist, schrillen bei mir alle Alarmglocken“, appelliert Volksanwältin Gaby Schwarz, den Personalschlüssel rasch anzuheben.

 


Übersetzung durch Künstliche Intelligenz

Volksanwältin Gaby Schwarz sitzt an einem Tisch bei einer Pressekonferenz, Kameras sind auf sie gerichtet. "Der Jugendstrafvollzug ist am Limit", alarmiert Volksanwältin Gaby Schwarz.