NGO-Forum: Blinde Flecken im Gesundheitssystem, Teil 2: Diskriminierung von Frauen

Beim NGO-Forum 2026 der Volksanwaltschaft berichteten Expertinnen und Experten über Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen, Frauen und Armutsbetroffenen sowie über rassistische Diskriminierung. Teil 2: Frauendiskriminierung hat Geschlechts- und Gender-Aspekte

Derzeit wird intensiv über eine Gesundheitsreform diskutiert. „Es ist wichtig, den Fokus auf jene Menschen zu setzen, die in solchen Diskussionen gerne vergessen werden: Benachteiligte Gruppen wie Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen und Frauen, sowie nicht zuletzt Menschen, die von Rassismus im Gesundheitssystem betroffen sind“, sagte Volksanwalt Bernhard Achitz, der das NGO-Forum am 27. Mai in den Räumen des Dachverbands der Sozialversicherungsträger moderierte: „Besonders betroffen sind Menschen, die zu mehreren dieser Gruppen gehören, denn Diskriminierung tritt nicht isoliert auf.“

Die Volksanwaltschaft organisiert jedes Jahr ein NGO-Forum zu einem konkreten Thema und gibt der Zivilgesellschaft die Möglichkeit, sich mit Behörden aus Bund und Ländern, mit Vertreterinnen und Vertretern der Sozialversicherung und natürlich mit Politikerinnen und Politikern auszutauschen. In den vergangenen Jahren war es etwa um die nach wie vor überfällige Verankerung Sozialer Grundrechte in der Verfassung gegangen, oder um Kinderrechte. Die Ergebnisse hat die Volksanwaltschaft in Tagungsbänden zusammengefasst und veröffentlicht: https://volksanwaltschaft.gv.at/berichte/ngo-forum-tagungsbaende/

Hotter (F.E.M. Frauengesundheitszentren): Individuelle Medizin statt Gießkannenprinzip!

Die Diskriminierung von Frauen im Gesundheitsbereich hat mehrere Aspekte, berichtete Katharina Hotter vom F.E.M. Institut für Frauen- und Männergesundheit: „Es geht einerseits um geschlechtliche, biologische Themen: unterschiedliche Hormone, Chromosomen, …, die zu unterschiedlichen Krankheitsrisiken und -verläufen führen. Und andererseits geht es auch um Gender, also um unterschiedliche Familienstrukturen,…, all das hat Einfluss auf unsere Gesundheit.“ Es gibt außerdem nicht nur Männer und Frauen, sondern mehr Geschlechter, „auch darauf muss unser Gesundheitssystem Rücksicht nehmen. Das Personal kennt sich da viel zu schlecht aus“, so Hotter.

Fokus der Frauengesundheitszentren liegt aber auf der Diskriminierung von Frauen: „Es muss in Richtung individueller Medizin gehen – nicht über alle nach dem Gießkannenprinzip die gleiche Behandlung drüberschütten!“ Frauen erhalten viel mehr psychosomatische Diagnosen, das liegt teilweise daran, dass Krankheiten, von denen Frauen betroffen sind, weniger erforscht sind. Frauen machen 51 Prozent der Weltbevölkerung aus, aber Menstruationsgesundheit ist viel zu wenig Thema. Bei vielen Erkrankungen gibt es bei Frauen unterschiedliche Erkrankungsrisiken und -verläufe als bei Männern, aber die Forschung und Ausbildung konzentriert sich oft auf Männer.

Medikamente werden viel seltener an Frauen getestet, das beginnt schon bei den Tierversuchen, für die nur weibliche Versuchstiere herangezogen werden. Hotter: „Aber Medikamente haben oft unterschiedliche Wirkungen je nach Geschlecht. Aspirin schützt Männer vor Herzinfarkt – Frauen aber nicht.“ Auch die Dosierungsempfehlungen würden sich oft nach dem Körpergewicht von Männern richten, was bei Frauen dann schnell zu Überdosierung führen kann. 

Und dann gibt es noch den Gender-Aspekt: „Frauen erhalten weniger teure Diagnoseverfahren. Reinigungsfrauen müssen regelrecht betteln, um ein MRT verordnet zu bekommen. Bauarbeitern wird viel eher geglaubt“, so Hotter: „In der Ausbildung braucht es viel mehr Sensibilisierung.“


Infusionsflasche (Symbolbild Gesundheit)