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Studie: Medien stellen Menschen mit Behinderung oft als Opfer oder als Helden dar

1. Juni 2017

Wie berichten Medien über Menschen mit Behinderung? Eine neue Studie mit dem Titel "Empfehlung zur Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien", gibt tiefe Einblicke. Auch die Volksanwaltschaft unterstützte die Erstellung der Studie, die am Mittwoch im Bundeskanzleramt präsentiert wurde.

"An den Rollstuhl gefesselt“ und „sie meistert tapfer ihr Leben“ – Medien stellen Menschen mit Behinderung oft klischeehaft entweder als Opfer oder als Helden dar. Das ergab eine Studie von Media Affairs, die von Volksanwaltschaft, Sozialministerium und Rundfunk- und Telekom Regulierung-GmbH (RTR) unterstützt wurde. Studienautorin Maria Pernegger konstatierte auch eine thematische Verengung in den untersuchten Zeitungen: Mehr als 50 Prozent der Berichterstattung beschränken sich demnach auf Sportunfälle von Prominenten, Paralympics und Charity. Themen wie Behindertenpolitik, Barrierefreiheit oder Inklusion würden nur sehr selten behandelt. Zu 99 Prozent steht die Behinderung im Fokus, andere Berichte seien äußerst rar. Darüber hinaus widerspreche laut Pernegger ein großer Teil der Berichterstattung in dem Printmedien der UN-Behindertenkonvention, weil sie diskriminierende Sprache verwendee oder Vorurteile verstärke.

Im ORF hat die Studie die Sendungen "Bürgeranwalt", "heute konkret" und "heute leben" untersucht, die generell sehr gut abschnitten. Martin Ladstätter vom Behindertenberatungszentrum Bizeps hob besonders die Sendung „Bürgeranwalt“ positiv hervor. Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) forderte, sowohl die Zugänglichkeit für als auch die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Volksanwalt Günther Kräuter: „Die Volksanwaltschaft setzt sich seit vielen Jahren für Inklusion auf allen Ebenen und in allen Lebensbereichen ein, Sprache ist in diesem Zusammenhang wichtig. Sie schafft Bewusstsein.“

Österreich hat die UN-Behindertenkonvention im Jahr 2008 ratifiziert. Die Uno stellte aber in der Folge fest, dass innerhalb der österreichischen Gesellschaft noch kein umfassendes Verständnis für den Paradigmenwechsel besteht, um die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen wirksam zu ändern. In diesem Zusammenhang wird den Medien große Bedeutung beigemessen.