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VA Brinek fordert Lösungen für das Problemfeld Sachwalterschaft

8. Juni 2015

Volksanwältin Dr. Gertrude Brinek zeigte sich erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Sie wies auf die dramatisch ansteigenden Zahlen von Besachwalterungen in Österreich hin und zeigte diverse Probleme im Bereich der Bestellung von Sachwaltern auf. "60.000 Menschen in Österreich sind ihrer freien Entscheidungsmöglichkeit beraubt", so Brinek.  Brinek betonte:"Vor allem die Tatsache, dass Sachwalterschaft und das Thema würdevolles Altern Querschnittsmaterien sind, fordert die aktive Zusammenarbeit vieler Institutionen und sind nicht nur justizielle Probleme".

Allesamt Punkte denen Bundesminister für Justiz, Dr. Wolfgang Brandstetter, nur beipflichten konnte. Er unterstrich besonders, dass sich das Sachwalterschaftsrecht auch den gesellschaftlichen und demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte anpassen müsste. Das Sachwalterschaftsrecht springe zu oft als notgedrungene Hilfestellung ein, so der Justizminister. Oft würden auch Alternativen nicht wahrgenommen, teilte der Minister die Auffassung von Volksanwältin Brinek. "Das Recht ist für die Menschen da - nicht umgekehrt", schloss Minister Brandstetter.

Der Altersforscher Univ. Prof. Dr. Franz Kolland pochte auf eine neue Gesellschaft - eine sogenannte "caring community". Er unterstrich den Wunsch nach einer alterssegregierten und -integrierten Gesellschaft, um langfristig dem Bedarf nach Sachwalterschaft und Betreuung für ältere Menschen entgegenzuwirken. Kolland pochte auf die Vorzüge und positiven Seiten des Älterwerdens und wies darauf hin, dass das Alter vielfältig sei. "Es gilt die Vielfalt des Alters zu akzeptieren und als Vorteil zu sehen", forderte Kolland.

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich den Beiträgen von Expertinnen und Experten rund um das Thema Erwachsenenhilfe und alternative Lösungsmöglichkeiten. Mag. Dorothea Gschöpf vom Vertretungsnetz zeigte Möglichkeiten des "Clearings" auf und forderte mehr Barrierefreiheit in der Verwaltung. Dr. Walter Hammerschick und Dr. Hemma Mayrhofer vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) erläuterten eindringlich Statistiken zur Bestellung von Sachwaltern und forderten Maßnahmen zur Umsetzung von unterstützender Entscheidungsfindung. Zahlreiche Kritikpunkte wurden auch von den über 100 Teilnehmern genannt und verdeutlichten die Vielschichtigkeit dieses Themas.

Es bleibt zusammenfassend festzuhalten, dass die Betroffenen besser eingebunden und gehört und auch über Alternativen zu Sachwalterschaft aufgeklärt werden sollten. Problemfelder, die nur im Zusammenspiel aller involvierten Institutionen und Entscheidungsträger zu einer raschen Verbesserung führen können.