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Gleiche Qualität für alle Kinder und Jugendlichen

7. Mai 2019

FICE Austria und Volksanwaltschaft stellen „Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe in Österreich“ vor:

In Österreich leben rund 13.600 Kinder und Jugendliche (vorübergehend) nicht in ihren Herkunftsfamilien. Von diesen werden im Rahmen der „vollen Erziehung“ rund 8.400 Heranwachsende außerhalb ihrer Herkunftsfamilie in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut. Gefährdete Kinder und Jugendliche zu schützen und bestmöglich auf ihrem Entwicklungsweg zu fördern, ist der gesetzlich verankerte Auftrag der Kinder- und Jugendhilfeträger. Im Fachdiskurs besteht Einigkeit, dass in diesem höchst sensiblen öffentlichen Aufgabenbereich qualitätsvolle Betreuung unabdingbar ist.

„Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen haben das Recht auf die bestmögliche Betreuung – unabhängig davon, in welchem Bundesland sie leben und betreut werden“, unterstreicht Volksanwalt Dr. Kräuter. Das Thema der Qualität in der stationären Betreuung bekommt vor dem Hintergrund der föderalistischen Ausprägung der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich eine besondere Relevanz. Denn unterschiedliche Ländergesetzgebungen und -verordnungen haben dazu geführt, dass sich die Anforderungen an private sowie öffentliche Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe in den Bundesländern mitunter beträchtlich unterscheiden, wie beispielsweise:

  • Unterschiedliche Qualitätsanforderungen an die Betreuungsprozesse in sozialpädagogischen Einrichtungen
  • Keine einheitlichen Personalschlüssel
  • Unterschiedliche Personalbesetzung (doppelt vs einfach)
  • Unterschiedliche Ausbildungsanforderungen und Qualifikationsprofile
  • Unterschiedliche Gruppengrößen

„Dieses Problem zeigt die Volksanwaltschaft regelmäßig und detailliert in ihren Tätigkeitsberichten auf. Mit der Verländerung der Kinder- und Jugendhilfe wird das Problem weiter verschärft“, so Kräuter und verweist auf die Jahresberichte der Volksanwaltschaft aus den Jahren 2017 und 2018 (Band Präventive Menschenrechtskontrolle) sowie den Sonderbericht „Kinder und ihre Rechte in öffentlichen Einrichtungen“.

Mit dem Ziel belasteten jungen Menschen bestmögliche Entwicklungsbedingungen zu bieten, initiierte FICE Austria im Herbst 2017 ein organisationsübergreifendes, aus Mitteln des Fonds Gesundes Österreich gefördertes Projekt zur Entwicklung von Qualitätsstandards für den Prozess der Unterbringung und Betreuung von Heranwachsenden in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich. Die nun vorliegenden Qualitätsstandards sind Ergebnis einer für die österreichische Kinder- und Jugendhilfelandschaft einzigartigen Zusammenarbeit von 19 Organisationen.

Diese Qualitätsstandards sowie die Publikation „Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe“ (Mai 2019, herausgegeben von FICE Austria) werden im Anschluss an die heutige Pressekonferenz bei einer Kick-Off-Tagung im Festsaal der Volksanwaltschaft erstmals einer interessierten Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Bettina Terp, MA, Präsidentin der FICE Austria und Projektleiterin, stellt hierzu fest: „Die Rechte der Kinder sind unteilbar. Dies gilt auch und besonders für die Rechte von Kindern, die nicht bei ihren Eltern leben können. Es darf nicht vom Wohnort abhängen, mit welcher Qualität ein Kind betreut wird. Diese Grundhaltung, Dialog und Kooperation sind das Grundgerüst, die dieses Projekt so erfolgreich gemacht haben. Die Präsentation und Veröffentlichung der ‚Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe‘ sind ein persönlicher Meilenstein, aber auch eine einzigartige Errungenschaft in der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe.“

Univ.-Prof. Dr. Stephan Sting von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, der im Projekt mitarbeitete, betont, dass die kooperativ entwickelten Qualitätsstandards einer breiten, dialogischen Verständigung darüber entspringen, „was gute Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich bedeutet. Zugleich liefern sie eine gemeinsame Richtschnur dafür, wie möglichst förderliche, sozial gerechte Chancen für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in stationärer Betreuung gewährleistet werden können.“


Über FICE

Die im Jahr 1948 gegründete Fédération Internationale des Communautés Educatives (FICE) ist ein weltweites Netzwerk, das sich die Verbesserung der außerfamiliären Betreuung von Kindern und Jugendlichen zur Aufgabe gemacht hat. Ziel der FICE Austria ist es, die Qualität der Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in Kooperation mit allen Stakeholdern der Kinder- und Jugendhilfe fachlich und zum Wohle der Betreuten, der Fachkräfte und der beteiligten Organisationen und Behörden weiterzuentwickeln.

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