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Eine von Fünf
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Die (Un)sichtbare Gewalt an älteren Frauen

25. November 2019

Um der Tabuisierung und Verharmlosung aktiv entgegenzuwirken, veranstaltet das Zentrum für Gerichtsmedizin der MedUni Wien in Zusammenarbeit mit dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) und der Volksanwaltschaft einmal im Jahr die interdisziplinäre Ringvorlesung „Eine von fünf“. Diese findet im Rahmen der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ statt, heuer bereits zum zehnten Mal – vom 25. November bis zum 10. Dezember.

An insgesamt sieben Tagen beleuchten Vortragende verschiedener Berufsgruppen den diesjährigen Schwerpunkt „(Un-)Sichtbare Gewalt gegen ältere Frauen“. Expertinnen und Experten werden aus unterschiedlichen Perspektiven über alterstypische Gewaltformen, Gewaltschutzmaßnahmen, Hilfsangebote für gewaltbetroffene ältere Frauen sowie über Gewaltausübende berichten.

Dazu findet heute, am 25. November 2019 von 16:00 bis 18:00 Uhr die Auftaktveranstaltung im Festsaal der Volksanwaltschaft statt. Eröffnet wird die Veranstaltung von Volksanwalt Bernhard Achitz, der Geschäftsführerin des AÖF Maria Rösslhumer und der Leiterin der Ringvorlesung Univ.-Prof.in Andrea Berzlanovich. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet eine hochkarätig besetzte Runde. Neben den Volksanwälten Werner Amon und Walter Rosenkranz wird auch die ehemalige Volksanwältin Gertrude Brinek anwesend sein. Univ.-Prof. Josef Hörl vom Institut für Soziologie der Universität Wien wird einen Vortrag zu den vielen Gesichtern der Gewalt im Alter halten und Birgitt Haller vom Institut für Konfliktforschung wird über Partnergewalt gegen ältere Frauen referieren. Begleitet werden die Fachvorträge von einem Ausschnitt des Films „Schrittweise – Wege aus der Gewalt“ IV sowie einem künstlerischen Beitrag des SOG.Theaters.

Im Fokus – Gewalt an älteren Frauen

„Ältere Menschen sind schon rein quantitativ ein wachsender Bevölkerungsteil, den man nicht „übersehen“ darf. Gewalt im Alter passiert aber oft im Verborgenen“, sagt Volksanwalt Bernhard Achitz. Obwohl in den Grundwerten unserer Gesellschaft das Recht jedes Menschen auf Würde und Integrität verankert ist, wird die breite Palette an Gewaltformen gegen Ältere bislang kaum wahrgenommen.

Die Volksanwaltschaft nützt die Ringvorlesung, um Gewaltschutz und Gewaltprävention als politische und gesellschaftliche Herausforderung zu thematisieren, auf Defizite hinzuweisen und auf deren Behebung ausgerichtete Aus- und Fortbildungsprogramme der Rechts- Gesundheits- und Sozialberufen zu initiieren. Volksanwalt Achitz: „Der Staat ist in der Pflicht, das Erforderliche zu tun, um angesichts der verletzlichen Lebenslagen der älteren Bevölkerung typischen Gefahrenlagen vorzubeugen.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkanwaltschaft sowie Expertinnen und Experten der von ihr eingesetzten Menschenrechtskommissionen gestalten alljährlich Vorlesungsteile mit und tragen mit ihrem Fachwissen zur Ausbildung junger Menschen aus den unterschiedlichsten Studienrichtungen bei.

Zahlen und Studien sind dürftig

Seit Jahren kritisiert die Volksanwaltschaft, dass es zu wenig aktuelles Datenmaterial zu Gewalt an (älteren) Frauen gibt. Ob überhaupt und wie Gewalt gegen Frauen von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wird zu einem großen Teil davon bestimmt, wie in Zeitungen, Onlinemedien, Radio- und TV-Nachrichten darüber berichtet wird.

Mit Unterstützung von BKA und BMASGK hat die Volksanwaltschaft vor kurzem MediaAffairs beauftragt, durch eine umfassende Medienmarktanalyse detaillierte Aussagen über öffentliche, mediale und politische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen zu erstellen. Durch einen Vergleich mit der Kriminalstatistik soll abgebildet werden, über welche Taten und Gewaltformen Massenmedien berichten und welche meist ausgeblendet bleiben. Beleuchtet werden soll ferner auch, welche Erklärmuster für geschlechtsspezifische Gewalt verwendet werden, wie Opfer und Täter in der Wort und Bildsprache dargestellt werden und ob es Berichterstattung gibt, die gewaltbetroffenen Frauen Mut macht, Auswege zu finden und Hilfe zu suchen. Münden soll die Studie in Anregungen für einen menschenrechtsbasierten und verantwortungsvolleren Umgang mit dem Thema Gewalt gegen Frauen.

 

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